Zum Inhalt springen
Zulassungsdienst
|
Jederzeit online
BundesZulassung24 - schnell, einfach, digital
Lesezeit: 11 Minuten

Blitzer & Messmethoden: So wird Geschwindigkeit gemessen

Radar, Laser, Lichtschranke, Section Control: Welche Messmethoden gibt es, wie funktionieren sie und wo liegen mögliche Fehlerquellen?

EA

Emre Altınışık

Inhaber, Bundeszulassung24 · Technische Umsetzung: Yılmaz Saraç

Messmethoden im Überblick

Radar (z. B. Traffipax, Multanova)

Funktionsweise:

Sendet Mikrowellen aus und misst die Frequenzänderung der reflektierten Wellen (Doppler-Effekt). Daraus wird die Geschwindigkeit berechnet.

Verbreitung

Häufigste Methode in Deutschland, sowohl stationär als auch mobil

Toleranz

Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)

Mögliche Fehlerquellen:
  • Reflexionen durch andere Fahrzeuge
  • Messwinkel-Fehler
  • Cosinus-Effekt bei schrägem Aufstellwinkel

Laser / LIDAR (z. B. Riegl, PoliScan)

Funktionsweise:

Misst die Geschwindigkeit mithilfe von Infrarot-Laserstrahlen. Die Entfernung zum Fahrzeug wird mehrfach gemessen, aus der Änderung wird die Geschwindigkeit errechnet.

Verbreitung

Weit verbreitet bei mobilen Messungen, auch in Säulen (PoliScan Speed)

Toleranz

Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)

Mögliche Fehlerquellen:
  • Verwackeln der Handpistole
  • Messung auf falsches Fahrzeug
  • Zielfehler bei Mehrspurbetrieb

Lichtschranke (z. B. ESO ES 3.0)

Funktionsweise:

Mehrere Sensoren in Fahrbahn oder am Straßenrand messen die Durchfahrtszeit. Aus dem Abstand der Sensoren und der gemessenen Zeit wird die Geschwindigkeit berechnet.

Verbreitung

Verbreitet bei stationären und semi-stationären Anlagen

Toleranz

Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)

Mögliche Fehlerquellen:
  • Verschmutzung der Sensoren
  • Paralleler Verkehr auf Nachbarspur
  • Wechselnde Witterung

Induktionsschleifen / Piezo-Sensoren

Funktionsweise:

In die Fahrbahn eingelassene Sensoren registrieren das Überfahren. Die Geschwindigkeit wird aus der Zeitdifferenz zwischen zwei Messpunkten berechnet.

Verbreitung

Häufig auf Autobahnen und an Tunneleinfahrten

Toleranz

Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)

Mögliche Fehlerquellen:
  • Beschädigung der Fahrbahnsensoren
  • Kalibrierungsfehler
  • Einfluss von Fahrzeuggewicht

Section Control (Abschnittskontrolle)

Funktionsweise:

Misst die Durchschnittsgeschwindigkeit über einen Streckenabschnitt. Kameras an Anfang und Ende erfassen Zeitstempel und Kennzeichen.

Verbreitung

In Deutschland bisher nur auf der B6 bei Laatzen (Niedersachsen)

Toleranz

Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)

Mögliche Fehlerquellen:
  • Technische Ausfälle einzelner Kameras
  • Witterungsbedingte Kennzeichen-Erkennung

Nachfahren / Videomessung (ProViDa)

Funktionsweise:

Polizeifahrzeug fährt mit kalibriertem Tacho (ProViDa-System) hinter dem Fahrzeug her. Geschwindigkeit wird per Video dokumentiert.

Verbreitung

Verbreitet bei der Autobahnpolizei und auf Landstraßen

Toleranz

Höher als bei stationären Messungen: 10-20% je nach Gericht

Mögliche Fehlerquellen:
  • Wechselnder Abstand zum Fahrzeug
  • Ungeeichter Tacho des Dienstwagens
  • Zu kurze Messstrecke

Stationäre vs. mobile Blitzer

Stationäre Blitzer

  • Fest installiert, oft in Säulen oder Kästen
  • Standort ist bekannt (z. B. Unfallschwerpunkte)
  • Permanente Überwachung, 24/7 aktiv
  • Typische Geräte: PoliScan Speed, Traffistar, ESO

Mobile Blitzer

  • Wechselnde Standorte, oft auf Stativen
  • Bedienung durch Messbeamte
  • Häufig Laserpistolen oder mobile Radargeräte
  • Typische Einsatzorte: Baustellen, Schulzonen, Unfallstellen

Radarwarner und Blitzer-Apps sind verboten

Seit 2020 ist die Nutzung von Radarwarnern und Blitzer-Apps während der Fahrt ausdrücklich verboten (§ 23 Abs. 1c StVO). Das gilt auch für Navigations-Apps mit Blitzer-Warnfunktion.

Strafe: 75 Euro + 1 Punkt in Flensburg

Das Gerät kann eingezogen und vernichtet werden.

Einspruch bei Messfehlern

Keine Messmethode ist fehlerfrei. Bei einem Bußgeldbescheid haben Sie das Recht auf Akteneinsicht. Ein versierter Anwalt kann das Messprotokoll, die Eichprotokolle und die Aufstellungsdokumentation prüfen.

Prüfpunkte für einen Einspruch:

  • Ist das Messgerät für diesen Einsatzzweck zertifiziert?
  • Liegt ein gültiges Eichprotokoll vor?
  • War der Messbeamte für das Gerät geschult?
  • Stimmt der Messwinkel (Aufstellungsprotokoll)?
  • Ist das Foto eindeutig dem richtigen Fahrzeug zuzuordnen?
  • Besteht die Möglichkeit einer Fehlmessung durch Nachbarverkehr?

Wissenswertes zu Blitzern

Stationäre Blitzer in DE
ca. 4.700
Tendenz steigend
Häufigster Blitzer-Typ
PoliScan Speed
Laser-basiert, in Säulen
Einspruchsquote
ca. 30-40%
Bescheide aufgehoben/reduziert
Einspruchsfrist
14 Tage
Ab Zustellung des Bescheids

Häufig gestellte Fragen

Darf ich eine Blitzer-App oder einen Radarwarner nutzen?
In Deutschland ist die Nutzung von Radarwarnern und Blitzer-Apps während der Fahrt verboten (§ 23 Abs. 1c StVO). Das gilt für den Fahrer — Beifahrer dürfen die Apps zwar bedienen, aber keine Warnungen an den Fahrer weitergeben. Bei Verstoß drohen 75 Euro Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg. Das Gerät kann eingezogen werden. Fest verbaute Navigationsgeräte mit Blitzerwarnfunktion müssen diese Funktion deaktiviert haben.
Wie hoch ist der Toleranzabzug bei verschiedenen Messmethoden?
Der Toleranzabzug hängt von der Geschwindigkeit ab, nicht von der Messmethode: Bis 100 km/h werden 3 km/h abgezogen, über 100 km/h werden 3% abgezogen. Einzige Ausnahme: Bei Nachfahren durch die Polizei (ohne geeichtes Messgerät im Fahrzeug) kann die Toleranz je nach Gericht 10-20% betragen.
Können Blitzer-Fotos falsch sein?
Ja, Messfehler kommen vor. Häufige Fehlerquellen: fehlende oder abgelaufene Eichung des Messgeräts, fehlerhafte Aufstellung (falscher Winkel), Reflexionen durch andere Fahrzeuge, fehlerhafte Zuordnung bei mehrspurigen Straßen. In ca. 30-40% der Einsprüche werden Bußgeldbescheide aufgehoben oder reduziert. Eine Akteneinsicht durch einen Anwalt kann versteckte Messfehler aufdecken.
Was ist Section Control und wie funktioniert es?
Section Control (Abschnittskontrolle) misst nicht die Geschwindigkeit an einem Punkt, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Strecke. Am Anfang und Ende des Abschnitts werden Kameras installiert, die Zeitstempel und Kennzeichen erfassen. Aus der Strecke und der benötigten Zeit wird die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet. In Deutschland wird Section Control seit 2020 auf der B6 bei Laatzen (Niedersachsen) eingesetzt.
Was passiert, wenn man von hinten geblitzt wird?
Frontfotos sind Standard, da der Fahrer identifiziert werden muss. Heckfotos (von hinten) zeigen nur das Kennzeichen, nicht den Fahrer. In diesem Fall erhält der Halter einen Zeugenfragebogen mit der Aufforderung, den Fahrer zu benennen. Kann der Fahrer nicht ermittelt werden, wird das Verfahren eingestellt — allerdings kann die Behörde ein Fahrtenbuch anordnen.

Verwandte Artikel