Blitzer & Messmethoden: So wird Geschwindigkeit gemessen
Radar, Laser, Lichtschranke, Section Control: Welche Messmethoden gibt es, wie funktionieren sie und wo liegen mögliche Fehlerquellen?
Emre Altınışık
Inhaber, Bundeszulassung24 · Technische Umsetzung: Yılmaz Saraç
Messmethoden im Überblick
Radar (z. B. Traffipax, Multanova)
Sendet Mikrowellen aus und misst die Frequenzänderung der reflektierten Wellen (Doppler-Effekt). Daraus wird die Geschwindigkeit berechnet.
Häufigste Methode in Deutschland, sowohl stationär als auch mobil
Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)
- Reflexionen durch andere Fahrzeuge
- Messwinkel-Fehler
- Cosinus-Effekt bei schrägem Aufstellwinkel
Laser / LIDAR (z. B. Riegl, PoliScan)
Misst die Geschwindigkeit mithilfe von Infrarot-Laserstrahlen. Die Entfernung zum Fahrzeug wird mehrfach gemessen, aus der Änderung wird die Geschwindigkeit errechnet.
Weit verbreitet bei mobilen Messungen, auch in Säulen (PoliScan Speed)
Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)
- Verwackeln der Handpistole
- Messung auf falsches Fahrzeug
- Zielfehler bei Mehrspurbetrieb
Lichtschranke (z. B. ESO ES 3.0)
Mehrere Sensoren in Fahrbahn oder am Straßenrand messen die Durchfahrtszeit. Aus dem Abstand der Sensoren und der gemessenen Zeit wird die Geschwindigkeit berechnet.
Verbreitet bei stationären und semi-stationären Anlagen
Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)
- Verschmutzung der Sensoren
- Paralleler Verkehr auf Nachbarspur
- Wechselnde Witterung
Induktionsschleifen / Piezo-Sensoren
In die Fahrbahn eingelassene Sensoren registrieren das Überfahren. Die Geschwindigkeit wird aus der Zeitdifferenz zwischen zwei Messpunkten berechnet.
Häufig auf Autobahnen und an Tunneleinfahrten
Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)
- Beschädigung der Fahrbahnsensoren
- Kalibrierungsfehler
- Einfluss von Fahrzeuggewicht
Section Control (Abschnittskontrolle)
Misst die Durchschnittsgeschwindigkeit über einen Streckenabschnitt. Kameras an Anfang und Ende erfassen Zeitstempel und Kennzeichen.
In Deutschland bisher nur auf der B6 bei Laatzen (Niedersachsen)
Standard: 3 km/h (<100 km/h) oder 3% (>100 km/h)
- Technische Ausfälle einzelner Kameras
- Witterungsbedingte Kennzeichen-Erkennung
Nachfahren / Videomessung (ProViDa)
Polizeifahrzeug fährt mit kalibriertem Tacho (ProViDa-System) hinter dem Fahrzeug her. Geschwindigkeit wird per Video dokumentiert.
Verbreitet bei der Autobahnpolizei und auf Landstraßen
Höher als bei stationären Messungen: 10-20% je nach Gericht
- Wechselnder Abstand zum Fahrzeug
- Ungeeichter Tacho des Dienstwagens
- Zu kurze Messstrecke
Stationäre vs. mobile Blitzer
Stationäre Blitzer
- Fest installiert, oft in Säulen oder Kästen
- Standort ist bekannt (z. B. Unfallschwerpunkte)
- Permanente Überwachung, 24/7 aktiv
- Typische Geräte: PoliScan Speed, Traffistar, ESO
Mobile Blitzer
- Wechselnde Standorte, oft auf Stativen
- Bedienung durch Messbeamte
- Häufig Laserpistolen oder mobile Radargeräte
- Typische Einsatzorte: Baustellen, Schulzonen, Unfallstellen
Radarwarner und Blitzer-Apps sind verboten
Seit 2020 ist die Nutzung von Radarwarnern und Blitzer-Apps während der Fahrt ausdrücklich verboten (§ 23 Abs. 1c StVO). Das gilt auch für Navigations-Apps mit Blitzer-Warnfunktion.
Strafe: 75 Euro + 1 Punkt in Flensburg
Das Gerät kann eingezogen und vernichtet werden.
Einspruch bei Messfehlern
Keine Messmethode ist fehlerfrei. Bei einem Bußgeldbescheid haben Sie das Recht auf Akteneinsicht. Ein versierter Anwalt kann das Messprotokoll, die Eichprotokolle und die Aufstellungsdokumentation prüfen.
Prüfpunkte für einen Einspruch:
- Ist das Messgerät für diesen Einsatzzweck zertifiziert?
- Liegt ein gültiges Eichprotokoll vor?
- War der Messbeamte für das Gerät geschult?
- Stimmt der Messwinkel (Aufstellungsprotokoll)?
- Ist das Foto eindeutig dem richtigen Fahrzeug zuzuordnen?
- Besteht die Möglichkeit einer Fehlmessung durch Nachbarverkehr?